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Kurz die Hose, lang der Rock,

krumm die Nase und der Stock,

Augen schwarz und Seele grau,

Hut nach hinten, Miene schlau -

So ist Schmulchen Schievelbeiner.

(Schöner ist doch unsereiner)

(Aus Plisch und Plum, 5 Kap., Original im Wilhelm-Busch-Museum Hannover)

Was ist Ihnen beim Lesen dieses Verses durch den Kopf gegangen?

Haben Sie vielleicht geschmunzelt?

Haben sie dem Inhalt des Verses vielleicht sogar in Gedanken zugestimmt?

Dann sind Sie womöglich einem von zahlreichen festgefahrenen Vorurteilen auf den Leim gegangen.
 

Was ist aber eigentlich ein Vorurteil?



 
Begriffsdefinition Antreffen von Vorurteilen Kommentar

 
 

Begriffsdefinition
 

Das Lexikon definiert den Begriff folgendermaßen:

*affektiert auch: prahlerisch, wichtigtuerisch oder ruhmredig
**Stereotyp (das; griechisch), Sozialpsychologie: von den US- amerikan. Publizisten W. Lippmann geprägter Begriff (1922) für eine dem Vorurteil ähnliche, vorgefasste, schablonenhafte Sehweise bzw. Vorstellung von bestimmten Gruppen, sowohl für die eigene (Auto-S.) wie für fremde (Hetero- S.). (aus: Das neue Taschen-Lexikon/ Bertelsmann Lexikon Verlag)
Kurzum:Vorurteile sind bequemer als die kritische und wohldurchdachte Sicht.

 
 

Vorurteile sind harmlos, so lange sie zur Erheiterung dienen. Franzosen werden z.B. als gute Liebhaber und Italiener als die besten Köche bezeichnet. Wenn aber Kosovaren als kriminelle, Türken als Drogendealer oder Rumänen als Diebe hingestellt werden, wirken Vorurteile verletzend, ausgrenzend und fremdenfeindlich.
 
 

Und trotzdem halten sie sich hartnäckig. Schon der dt.- amerikanische Physiker Albert Einstein (1879-1955) meinte einst: „Es ist leichter ein Atom zu spalten, als ein Vorurteil“. Ein altes Feindbild wird immer wieder in ein neues Gewand gesteckt, ohne dem eigentlichen Vorurteil auf die Spur zu kommen. Das ist ja auch einfacher, als sich selbst eine kritische und rationale Meinung zu bilden. Man könnte daraus schließen, dass nur uneinsichtige Menschen Vorurteile haben.
 
 
 
 

Antreffen von Vorurteilen
 
 

Vorurteile treten oft bei Diskussionen in fröhlicher Runde auf, es wird mit ihnen argumentiert, verleugnet oder auch beschönigt. In Vorurteilen ist immer ein Sündenbock bzw. ein Stereotyp anzutreffen, der für alles gerade steht. (Dabei können auch weitere Vorurteile entstehen.) Weitergesponnene Vorurteilen können leicht zu Spekulationen führen und zu darauf gegründeten einseitigen oder falschen Geschichtsbildern führen. Daraus wiederum können wirkungsvolle Propagandathesen entstehen, die in den falschen Händen zu katastrophalen Folgen führen können. Albert Einstein sagte einmal so treffend: „Es ist einfacher ein Atom zu spalten als ein Vorurteil.“ Und jeder hat Vorurteile, davon kann sich keiner freisprechen. So manches Mal weiß man gar nicht, dass man sich ständig mit Vorurteilen abgibt und mit ihnen argumentiert.
 
 

Wir brauchen Vorurteile zum Leben
 
 

Tatsache ist aber, dass wir Vorurteile oder zumindest Voraus-Urteile für unsere Orientierung im Leben brauchen. Die Ereignisse die wir erleben würden uns in ihrer Vielzahl überschwemmen, wenn wir sie einzeln analysieren würden. Selbst wenn wir einen Menschen wahrnehmen und über Ihn nachdenken, bilden wir uns eine bestimmte Meinung. Wir neigen dann dazu, diesen Menschen zu bewerten und ihm angeblich typische Merkmale zuzuordnen. Diese sind uns vielleicht bei Menschen der gleichen Staatsangehörigkeit oder ähnlichem auch schon mal zufällig begegnet. So bildet sich schnell ein Vorurteil gegen die ganze Bevölkerungsgruppe und so heißt es dann plötzlich „blasierte“ Engländer, „unordentliche“ Franzosen oder „unkultivierte“ Amerikaner.
 
 
 
 

Entstehung und Bekämpfung von Vorurteilen
 
 

Vorurteile entstehen also dadurch, dass wir in unserer Wahrnehmung darauf angewiesen sind, bestimmte Sachverhalte dadurch zu vereinfachen, dass wir sie zu Stereotypen zusammenfassen, sie also in bestimmte Kategorien einordnen.

So schnell werden dann auch Menschen aufgrund ihrer andersartig erscheinenden Kultur oder Religion in bestimmte Schubladen gesteckt. Man spricht zum Beispiel allgemein von „den Ausländern’’ und vergisst, dass es auch hier einige wesentliche Unterschiede gibt.
 
 

Vorurteile sind sehr komplex und vielfältig und daher schwer zu bekämpfen.Verständnis und Toleranz sind gefragt um trennende Barrieren zu beseitigen und Integration zu schaffen, damit klar wird, das Menschen anderer Länder vielleicht nicht unbedingt anders denken und fühlen als wir.
 
 
 
 
 
 

Kommentar
 
 

Ich glaube, es gibt einen Unterschied, wenn ein Vorurteil gegen / für ein Ding gerichtet als gegen/ für eine Person bzw. eine Gruppe.
 
 

Das menschliche Hirn leistet viel Arbeit, unter anderen steuert es unseren Denkvorgang, man bildet sich über jede Sache, egal ob es sich um ein Buch, ein Bild, eine Musik oder sonstiges handelt, eine Meinung und diese Meinung bleibt in unseren Gehirn eine Zeit lang gespeichert, gerät in Vergessenheit. Und dann, eines Tages befindet man sich in eine Situation, die wir schon einmal hatten. Beim ersten Mal haben wir uns bereits eine Meinung gebildet. Jetzt existiert bereits ein VORURTEIL - das vom letzten Mal. Man hat sein Urteil bereits gefällt. Ob diese Sache jetzt angenehmer oder schlechter geworden ist, wird als erstes gar nicht registriert, man hält sich an der alten Meinung fest. Man kann seine Vorurteile ändern, das ist keine Frage, bei Sachen, so meine ich zumindest, ist es einfacher.
 
 

Bei Personen ist es etwas anderes. Beim ersten Mal, als ich davon hörte, dass "Menschen nach einem beliebigen Kriterium in unterschiedliche Kategorien eingeordnet werden", sträubte sich alles in mir. Der Gedanke, das ich als ein Individuum nach meinem Erscheinungsbild, meiner Religion, Kultur oder sonstigem in Schubladen eingeordnet werde, das wollte ich nicht. Aber ich stellte fest, dass es bei mir genau dasselbe ist. Man tritt einer Person bereits mit einem Vorurteil entgegen, sogar wenn man sie nur vom "Hörensagen" kennt. Der Spruch „Ausländer und Deutsche sollten als Individuen und nicht länger als Repräsentanten ihrer jeweiligen Gruppe existieren“ - stimmt. Albert Einstein sagte einst so treffend: „Es ist einfacher ein Atom zu spalten als ein Vorurteil“. Wir alle leben mit Hilfe von Stereotypen und Vorurteilen. Denn im Gegensatz zu den Tieren, haben wir keine stark ausgeprägten Instinkte oder andere angeborene Handlungsmuster. Wir zählen uns selber zu den "bewusst" lebenden Wesen auf der Erde. Wir wären in unseren Wahrnehmungen und Reaktionen vollkommen überfordert, wenn wir nur bewusst leben würden. Vorurteile helfen uns, uns besser zurecht zu finden, aber es kann uns auch in Schwierigkeiten bringen ....
 
 
 
 

Quellen und Bücher
 
 

„Ich glaube, den Antisemitismus*, der eine vielfach komplizierte Bewegung ist, zu verstehen. Ich betrachte diese Bewegung als Jude, aber ohne Hass und Furcht. Ich glaube zu erkennen, was im Antisemitismus roher Scherz, gemeiner Brotneid, angeerbtes Vorurteil, religiöse Ungeduldsamkeit - aber auch was darin vermeintliche Notwehr ist“

Theodor Herzel**; Der Judenstaat; 1896- Wien
 
 

*Judenverfolgung

**Theodor Herzl, ein österreichischer Schriftsteller und Zionist, *2.5. 1860 Budapest; gestorben 3.7.1904 in Edlach, Niederösterreich (sein Leichnam wurde 1949 nach Jerusalem überführt); Pariser Korrespondent der Wiener „Neuen Freien Presse“ 1891-1896. Er trat für die Gründung eines jüdischen Staates ein und gab den Anstoß zur Gründung des politischen Zionismus. (Das neue Taschenlexikon - BertelsmannLexikon Verlag)
 
 

Literatur


 


Annika Heine, Melanie Boschke, Jannine Maiorino Klasse AG-99/6, Wilhelm-Normann-Berufskolleg, Oktober 2000